Bericht
20.08.2005
Grutschen/St.Paul
Full moon party
Text: Bernd

Völkertreffen auf der Grutschen

Das wegen des Dialektes oft belächelte und wegen seiner Natur geliebte Lavanttal wurde bisher von uns so gut wie gar nicht besucht. Der letzte Auftritt muss irgendwann kurz nach der Erfindung des Farbfernsehers gewesen sein.
Scheinbar hat die Drau in jahrtausendlanger Arbeit die Menschen in der Region auseinander gebracht. Allein die Kraft dieses Flusses vermochte es immerhin zwei Völker hervorzubringen: den Jauntaler und den Lavanttaler. Doch die Menschen wehrten sich gegen die Kraft des Flusses. Sie bauten und bauen noch immer Übergänge, um Handel miteinander betreiben zu können. Selten kommt es vor, dass die Übergänge für den Export von Musik freigegeben werden.

Doch am vergangenen Samstag hatten wir das Glück den Übergang bei Lippitzbach für eben diesen Zweck benutzen zu dürfen. Wir machten uns auf die Reise zu einem völkerverbindenden Treffen. Ausgewählt wurde quasi neutraler Boden auf der Windisch Grutschen, von welcher man in beide Täler blicken kann. Es kamen vier Musikgruppen.
Den Beginn machte Taboo Spirit. Diese Formation kommt aus Wien, doch stammt einer der beiden ursprünglich aus dem Lavantal. Viele Lavantaler wandern nach Wien, weil die Vermischung nach Norden leichter ist. Wir waren fasziniert von den Oberton- und Digeridoo-Klängen. Der Obertongesang ist vermutlich typisch für Völker, die weiter im Norden leben. Danach waren wir an der Reihe. Angesichts der Wichtigkeit dieses völkerverbindenden Treffens, waren wir etwas aufgeregt. Den Lavanttalern schien unsere Musik allerdings zu gefallen. Das ehrte uns sehr. Zwischenzeitlich ist der Danvito Clan aus St. Veit eingetroffen. Sie hatten einen Autounfall. Aber auch sie waren sich der Wichtigkeit des Treffens bewusst und so kamen sie trotzdem zum Treffen! Gott sei Dank ist keinem etwas passiert. Wir staunten über die Tänze des Schlangenmenschen, welche mit Sprechgesang hinterlegt wurden. Die Menschen aus Zentralkärnten scheinen sehr beweglich und erprobt im Umgang mit der Sprache zu sein. Den Abschluss bildete eine Gruppe, die zur Gänze aus Lavantalern bestand. Der bisher als Mischer tätige Lavantaler bewies, dass er nicht nur mit den Knöpfen am Mischpult, sondern auch mit dem Keybord umgehen kann. Sänger, Gitarrist und Schlagzeuger präsentierten ein rockiges Musik-"Projekt" aus den St. Pauler Bergen. Alles in allem war das Treffen ein voller Erfolg. Der erhoffte Austausch fand statt und wird auch hoffentlich in Zukunft wieder statt finden.
Einziger Wehrmutstropfen: Das harte Vorgehen der Lavanttaler Exekutive gegen Besucher, die diesseits und jenseits der Drau bekannte Gräser mit berauschender Wirkung konsumiert hatten.

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